NeuMillion Dollar Homepage ReloadedMeine eigene Wand, hier entlang
Im Sommer 2005 saß Alex Tew in Cricklade in Wiltshire und rechnete sich aus, mit wie vielen Schulden er aus dem Studium herauskommen würde. Er war 21 und wollte im Herbst in Nottingham anfangen. Was er brauchte, war Geld. Was er hatte, war eine Idee, die auf ein Blatt Papier passte.
Eine Seite. Darauf ein Feld von tausend mal tausend Bildpunkten, also genau eine Million. Jeder einzelne Punkt kostet einen Dollar. Wer kauft, bekommt seinen Punkt in einer Farbe und einen Verweis auf seine Seite. Gekauft wird in Blöcken von mindestens zehn mal zehn, weil ein einzelner Bildpunkt niemandem etwas nützt. Hundert Dollar also die kleinste Bestellung.
Am 26. August 2005 ging milliondollarhomepage.com online. Die ersten Käufer waren Freunde und Verwandte. Die Seite steht übrigens immer noch, unverändert, und du kannst sie dir gleich selbst ansehen.
Seite im Archiv besuchen1234Bildschirmfoto der archivierten Seite www.milliondollarhomepage.com vom 11. Januar 2006, Internet Archive Wayback Machine
- Das ganze Geschäftsmodell steht in einer Zeile im Kopf: eine Million Bildpunkte, ein Dollar das Stück. Mehr Erklärung gab es nicht, mehr brauchte es auch nicht.
- Der Zähler oben rechts sagt an diesem Tag 999.000 verkauft, 1.000 frei. Keine fünf Monate nach dem Start war die Wand praktisch voll.
- Die letzten tausend Bildpunkte hat Tew nicht verkauft, sondern bei eBay versteigert. Sie brachten 38.100 Dollar, ein Vielfaches des Listenpreises von tausend.
- Wer genau hinsieht, findet vor allem Kasinos, Kredite, Klingeltöne, Pillen und Partnerbörsen. Die Werbeflächen dieser Zeit waren selten seriös.
Wie aus einer Studentenidee eine Million wurde
Was die Sache trug, war nicht die Fläche, sondern die Geschichte. Ein Student verkauft Bildpunkte, das war seltsam genug, dass Zeitungen darüber schrieben. Wer darüber las, ging auf die Seite. Wer auf der Seite war, sah, wie sie sich füllte. Und wer sah, wie sie sich füllte, kaufte schneller, bevor nichts mehr da war.
Das ist der eigentliche Trick, und er lässt sich nicht wiederholen: Die Seite war ein Nachrichtenstück über sich selbst. Jeder verkaufte Block machte den nächsten wertvoller, weil er die Fläche knapper machte. Wer im Dezember kaufte, kaufte keine Werbung, sondern einen Platz in etwas, über das gerade alle redeten.
Im Januar 2006 war fast alles weg. Die letzten tausend Punkte kamen zu eBay und brachten 38.100 Dollar. Unterm Strich standen 1.037.100 Dollar. Tew war 21 und hatte sein Studium bezahlt, ungefähr fünfzigmal.
Der Angriff, über den weniger geredet wird
Kurz vor Schluss, im Januar 2006, kam eine Erpressung. Erst eine Forderung, dann ein Angriff, der die Seite tagelang lahmlegte. Ausgerechnet in dem Moment, in dem die letzten tausend Bildpunkte versteigert wurden und die halbe Presse zusah. Die Seite kam zurück, die Auktion lief, und die Sache bekam dadurch eher noch mehr Aufmerksamkeit.
Warum das heute nicht mehr funktioniert
Nachahmer gab es sofort. Zweistellig, dann dreistellig. Million Euro Homepage, Million Pixel Page, dieselbe Idee in jeder Sprache. Fast alle sind gescheitert, und zwar aus demselben Grund, aus dem das Original funktioniert hat: Es gab die Geschichte nur einmal. Die zweite Seite, die Bildpunkte verkauft, ist keine Nachricht mehr, sondern ein Werbeplatz. Und als Werbeplatz war die Fläche von Anfang an schlecht, weil ein Logo von zehn mal zehn Punkten in einem Meer aus zehntausend anderen schlicht niemand sieht.
Dazu kommt etwas, das 2005 noch niemand auf dem Zettel hatte. Bezahlte Verweise, die Suchmaschinen etwas vererben, sind heute ein Regelverstoß. Damals war genau das für viele Käufer der eigentliche Grund zu kaufen. Wer heute eine solche Fläche anbietet, muss die Verweise entwerten, und damit fällt der halbe Kaufgrund weg.
Bleibt der interessanteste Teil. Die Seite steht noch, unverändert, seit fast zwanzig Jahren. Nur führt ein großer Teil dieser Verweise inzwischen ins Leere: abgelaufene Domains, geparkte Seiten, Firmen, die es nicht mehr gibt. Wer die Wand heute anklickt, klickt sich durch einen Friedhof. Es ist das ehrlichste Denkmal, das das Internet von 2005 bekommen konnte.
Million Dollar Homepage Reloaded
Weil das Prinzip zu schön ist, um es nur zu beschreiben, habe ich es hier noch einmal aufgebaut. Echt, nicht als Schaustück: tausend mal tausend Bildpunkte, einen Euro der Punkt, gebucht wird in Blöcken ab zehn mal zehn. Angefangen habe ich mit ein paar eigenen Projekten, damit die Wand nicht ganz leer dasteht.
Ganz unten rechts in der Ecke sitzt ein Block von zehn mal zehn Punkten, der kleinste, den es gibt. Der gehört milliondollarhomepage.com selbst. Bezahlt hat dafür niemand.
Anzeige 16.400 Bildpunkte belegt 983.600 frei
Die Flächen oben sind Werbeplätze. Alle Verweise darin tragen nofollow und sponsored, geben also keine Empfehlung an Suchmaschinen weiter. Bisher stehen dort ausschließlich eigene Projekte.
Einen Block buchen
Falls du wirklich möchtest. Ich rechne nicht damit, anbieten will ich es trotzdem, sonst wäre die Wand oben nur Dekoration.
Was ich von dir brauche
- Wie viele Bildpunkte du buchen möchtest. Mindestens 10 mal 10, also 100 Bildpunkte. Kleiner geht nicht, darunter ist nichts mehr zu erkennen.
- Die Adresse, auf die verlinkt werden soll.
- Eine kleine Grafik, nicht animiert. Hast du keine in der passenden Größe, schick mir irgendeine, ich passe sie an.
Was du bekommst
- 1 Euro je Bildpunkt zuzüglich Umsatzsteuer. Der kleinste Block kostet also 100 Euro netto.
- Eine ordentliche Rechnung mit ausgewiesener Mehrwertsteuer.
- Lifetime. Kein Ablaufdatum, keine Verlängerung, keine Rechnung im nächsten Jahr. Dein Block bleibt, solange es diese Seite gibt.
Zwei Dinge noch, damit hinterher niemand überrascht ist. Alle Verweise tragen nofollow und sponsored, geben also keine Empfehlung an Suchmaschinen weiter. Wer sich davon eine bessere Platzierung bei Google erhofft, bucht besser nicht. Und Glücksspiel, Erotik, Abofallen und Kredite ohne Lizenz nehme ich nicht, ebenso wenig alles andere, was Ärger macht. Ich darf ablehnen, ohne das zu begründen.
Schreib mir: daniel@weihmann.de
Quellen
- milliondollarhomepage.com, die Seite selbst, seit 2005 unverändert online
- dieselbe Seite am 11. Januar 2006 im Internet Archive
- Die Eine-Million-Dollar-Homepage bei Wikipedia
- The Million Dollar Homepage bei Wikipedia, dort die Zahlen zur Auktion



