Es gibt Größenangaben, die verliert man mit der Zeit aus dem Gefühl. Ein Megabyte war einmal viel. Auf eines passte ein Programm, das etwas konnte. Heute ist ein Megabyte die Vorschau eines Fotos, das man nie ansieht.

Der einfachste Weg, das wieder zu spüren, ist eine Umrechnung. Also: Wie viele Disketten wäre das eigentlich?

Der Diskettenrechner

Oder nimm etwas Bekanntes:

Gerechnet wird mit 1.474.560 Byte je Diskette, also dem, was wirklich draufpasste. Stapelhöhe mit 3,3 Millimetern je Stück, Gewicht mit 20 Gramm.

1,44 MB waren nie 1,44 MB

Auf jeder Packung stand 1,44 MB. Die Zahl ist falsch, und zwar auf eine Art, die man erst versteht, wenn man nachrechnet.

Eine formatierte HD-Diskette fasst 2.880 Sektoren zu je 512 Byte. Das sind 1.474.560 Byte. Rechnet man das in Megabyte um, wie es die Festplattenhersteller tun, also mit einer Million Byte, kommt man auf 1,47 MB. Rechnet man wie ein Betriebssystem, mit 1.048.576 Byte, kommt man auf 1,41 MB. Beide Zahlen stehen nirgends auf der Packung.

Der Grund für die 1,44 ist eine Mischrechnung, die es sonst nirgends gibt: 1.440 Kilobyte zu je 1.024 Byte, und dieses Ergebnis dann durch tausend geteilt. Ein Kilobyte nach Informatikart, ein Megabyte nach Verkaufsart, in einer einzigen Angabe. Wer sich je gewundert hat, warum eine leere Diskette im Explorer 1,38 MB frei zeigte, hat hier die Antwort.

Ein Stapel Disketten mit handbeschrifteten Aufklebern, daneben die Box und der Filzstift, mit dem die Beschriftung entstand.
Ein Stapel Disketten mit handbeschrifteten Aufklebern, daneben die Box und der Filzstift, mit dem die Beschriftung entstand.
Mit KI erzeugte Illustration, kein Bildschirmfoto.

Vorher war sie wirklich schlapp

Das Wort floppy kommt nicht von ungefähr. Die ersten Disketten von 1971 maßen acht Zoll und steckten in einer Hülle aus biegsamem Kunststoff. Man konnte sie knicken, und genau das ist unzähligen passiert.

1976 kam das Format mit 5,25 Zoll, das die meisten noch aus Heimcomputerzeiten kennen. Immer noch biegsam, immer noch empfindlich, und mit einem großen ovalen Loch, durch das der Schreibkopf direkt auf die Magnetscheibe griff. Wer dort mit dem Daumen hinfasste, hatte seine Daten mit dem Fingerabdruck bearbeitet.

Schreibschutz ging über eine Kerbe an der Seite. War sie offen, durfte geschrieben werden. Wollte man das verhindern, klebte man sie zu, und dafür lagen kleine silberne Aufkleber in jeder Packung. Es gab Leute, die schnitten die Kerbe bei einseitigen Disketten selbst nach, um die Rückseite auch noch zu benutzen.

Warum sich 3,5 Zoll durchgesetzt hat

Sony brachte 1981 das Format, das die Diskette schließlich für alle bedeutete: 3,5 Zoll, harte Kunststoffschale, Metallschieber vor dem Schlitz. Das ist der entscheidende Unterschied. Die Magnetscheibe war geschützt, solange die Diskette nicht im Laufwerk steckte, und der Schieber ging nur auf, wenn das Laufwerk ihn aufschob.

Dazu kam die Größe. Eine 3,5-Zoll-Diskette passt in eine Hemdtasche. Man konnte sie mitnehmen, ohne eine Mappe zu brauchen, und man konnte sie mit dem Filzstift beschriften, ohne dass etwas durchdrückte. Der Schreibschutz war jetzt ein kleiner Schieber in der Ecke, kein Klebestreifen mehr.

Bis heute ist es diese Form, die jeder vor Augen hat, wenn er das Wort hört. Und es ist diese Form, die auf dem Speichern-Knopf klebt.

Das Programm, das über 34 Disketten kam

Software wurde auf Disketten geliefert, und größere Programme brauchten viele davon. Eine Textverarbeitung kam auf einem knappen Dutzend, ein Betriebssystem auf zwei bis drei Dutzend. Installieren hieß: einlegen, warten, herausnehmen, nächste einlegen. Zwanzig Minuten, in denen man neben dem Rechner sitzen bleiben musste.

Das Problem daran war nicht die Zeit, sondern die Kette. Fiel eine einzige Diskette aus, war die ganze Installation hin, und man merkte es bei Nummer 23. Wer schon einmal gehört hat, wie ein Laufwerk eine kaputte Diskette abtastet, wieder ansetzt, wieder abtastet, kennt das Geräusch für den Rest seines Lebens.

Eine Installation über viele Disketten: Der Fortschrittsbalken steht bei der Hälfte und fragt nach der nächsten Nummer.
Eine Installation über viele Disketten: Der Fortschrittsbalken steht bei der Hälfte und fragt nach der nächsten Nummer.
Mit KI erzeugte Illustration, kein Bildschirmfoto.

Zum Vergleich, wie schnell das kippte: Auf eine einzelne CD-ROM passten 650 Megabyte, also der Inhalt von 452 Disketten. Ein Betriebssystem, für das man vorher einen halben Nachmittag Scheiben gewechselt hat, lag plötzlich auf einer einzigen Scheibe und startete sogar davon.

Der Karton im Keller

Weil Disketten billig waren und Festplatten teuer, lief die Sicherung genau so: alles Wichtige auf Disketten, beschriftet, durchnummeriert, in einen Karton. Diese Kartons stehen heute noch in unzähligen Kellern.

Das Bittere daran ist nicht das fehlende Laufwerk, die gibt es zum Anstecken für wenig Geld. Es ist die Magnetschicht. Sie hält, je nach Lagerung, zehn bis zwanzig Jahre, und danach fehlen einzelne Sektoren. Genau die Disketten, auf denen "WICHTIG" steht, sind meistens die ältesten.

Ein Archivkarton aus den späten Neunzigern: durchnummeriert, beschriftet, und heute schwerer zu lesen als jede Wolke.
Ein Archivkarton aus den späten Neunzigern: durchnummeriert, beschriftet, und heute schwerer zu lesen als jede Wolke.
Mit KI erzeugte Illustration, kein Bildschirmfoto.

Warum sie verschwand

Es war nicht ein Nachfolger, sondern drei auf einmal. Der Brenner machte die CD beschreibbar und bot fast das Fünfhundertfache. Der USB-Stick brauchte kein Laufwerk mehr und ging in die Hosentasche. Und das Netzwerk machte den Transport ganz überflüssig, sobald eine Datei nicht mehr über ein 56k-Modem gehen musste.

1998 traf Apple mit dem iMac eine Entscheidung, die damals als Frechheit galt: kein Diskettenlaufwerk mehr. Die Fachpresse war entsetzt, die Kundschaft kam damit zurecht. Der Rest der Branche brauchte noch ein paar Jahre, aber die Richtung stand.

Sony, das Unternehmen, das die 3,5-Zoll-Diskette groß gemacht hat, stellte die Herstellung im März 2011 ein. Da war sie schon lange ein Nischenartikel.

Das Symbol hat sie überlebt

Der Knopf zum Speichern zeigt bis heute eine Diskette. In jedem Textprogramm, in jeder Tabellenkalkulation, oben links. Ein Gegenstand, den ein großer Teil der heutigen Nutzer nie in der Hand hatte, ist das Sinnbild für eine Handlung geblieben, die es streng genommen auch nicht mehr gibt, weil ohnehin laufend gespeichert wird.

Das ist keine Nachlässigkeit der Gestalter, sondern der Beweis, wie gut das Ding war. Ein rechteckiges Etwas mit einer helleren Fläche oben ist auf sechzehn mal sechzehn Bildpunkten sofort erkennbar. Versuch das mal mit einem USB-Stick.

Quellen