Am 4. Februar 2004 ging Thefacebook in Harvard online. Diese Aufnahme stammt vom 12. Februar, die Seite war also gut eine Woche alt. Die Startseite erklärt in fünf Sätzen, was der Dienst ist, und listet vier Dinge auf, die man damit tun kann. Danach kommt schon der Anmeldeknopf.

Die Startseite von thefacebook.com am 12. Februar 2004, acht Tage nach dem Start in HarvardSeite im Archiv besuchen12345
Die Startseite von thefacebook.com am 12. Februar 2004, acht Tage nach dem Start in Harvard
Bildschirmfoto der archivierten Seite thefacebook.com vom 12. Februar 2004, Internet Archive Wayback Machine
  1. Das Gesicht im Kopfbereich, halb aufgelöst in Nullen und Einsen, ist eine bearbeitete Aufnahme von Al Pacino. Es blieb über ein Jahr lang stehen.
  2. Der Name steht in eckigen Klammern und mit vorangestelltem "the". Das eigentliche facebook.com gehörte jemand anderem und wurde erst 2005 gekauft.
  3. Hier steht, dass Thefacebook "für den allgemeinen Verzehr an der Harvard University" geöffnet wurde. Eine Universität, mehr war es nicht.
  4. In der Aufzählung steckt ein Grammatikfehler: "Find out who are in your classes". Niemand hat Korrektur gelesen, weil niemand da war, der das getan hätte.
  5. Unten steht "a Mark Zuckerberg production", wie der Abspann eines Films. Der Satz verschwand, als aus dem Projekt eine Firma wurde.

Ein Verzeichnis, kein Netzwerk

Im Text steht das Wort "directory", also Verzeichnis. Das trifft es genau. Thefacebook war zu diesem Zeitpunkt die digitale Fassung von etwas, das an amerikanischen Universitäten seit Jahrzehnten aus Papier bestand: ein Heft mit Fotos und Namen aller Erstsemester, damit man sich kennenlernt. Das gedruckte Ding hiess Facebook.

Die vier Funktionen in der Liste sind entsprechend nüchtern. Leute an deiner Uni suchen. Herausfinden, wer in deinen Kursen sitzt. Die Freunde deiner Freunde ansehen. Und, als einziger ungewöhnlicher Punkt, eine Darstellung deines sozialen Netzwerks anschauen.

Kein Neuigkeitenstrom, keine Beiträge, keine Bilder, kein Gefällt-mir. All das kam später. Was hier steht, ist ein Adressbuch mit Sichtbarkeitsregeln.

Warum "the" davor stand

Der Name mit dem vorangestellten Artikel wirkt heute wie eine Marotte, war aber eine Notlösung. Die Adresse facebook.com gehörte einer anderen Firma. Erst 2005 kaufte Zuckerberg sie, dem Vernehmen nach für 200.000 Dollar, und das "the" verschwand.

Die eckigen Klammern um den Namen gehören zur selben Ästhetik wie das aufgelöste Gesicht im Kopf. Das sollte nach Terminal aussehen, nach Datenbank, nach Informatik. 2004 war das die visuelle Sprache von jemandem, der programmieren kann und will, dass man es sieht.

Das Gesicht im Kopfbereich

Der Mann links oben, halb hinter einer Wand aus Nullen und Einsen, ist eine bearbeitete Aufnahme von Al Pacino. Woher genau das Bild stammt und wer es eingebaut hat, ist nie eindeutig geklärt worden. Es stand über ein Jahr lang auf jeder Seite des Dienstes und verschwand erst beim Umbau.

Dass ein Studentenprojekt einfach ein Schauspielerfoto in den Kopfbereich setzt, sagt einiges über den Zustand des Netzes von 2004. Solche Fragen stellte damals kaum jemand.

Der Fehler in der Liste

Im dritten Aufzählungspunkt steht "Find out who are in your classes". Richtig wäre "who is in your classes". Kein Beinbruch, aber ein sprechendes Detail: Es gab niemanden, der solche Sätze noch einmal las, bevor sie online gingen. Keine Redaktion, keine Marketingabteilung, keine Freigabeschleife.

Genau darin liegt der Reiz dieser Aufnahme. Man sieht ein Projekt in dem Moment, in dem es noch niemandem etwas beweisen musste.

Was danach passierte

Noch im selben Monat kamen Columbia, Stanford und Yale dazu, dann weitere Universitäten. 2005 fiel das "the" aus dem Namen. 2006 öffnete sich der Dienst für alle ab 13 Jahren mit einer gültigen E-Mail-Adresse, und damit war aus dem Uni-Verzeichnis etwas anderes geworden.

In Deutschland lief das Rennen zu diesem Zeitpunkt noch offen. StudiVZ startete 2005 mit fast derselben Idee und hatte zwischenzeitlich mehr deutsche Nutzer als Facebook. Wie das ausging, steht im Artikel dazu.

Quellen