Man muss zweimal hinsehen, um zu glauben, dass das eine Firmenstartseite ist. Kein Menü, keine Kategorien, keine Suchmaske. Ein Satz, warum man hier ist, und ein Link, der weiterführt. So sah eBay im Juni 1997 aus, ein gutes Jahr vor dem Börsengang.

Die Startseite von ebay.com am 14. Juni 1997. Die grauen Kästchen sind Bilder, die das Archiv nicht mit aufgehoben hatSeite im Archiv besuchen12345
Die Startseite von ebay.com am 14. Juni 1997. Die grauen Kästchen sind Bilder, die das Archiv nicht mit aufgehoben hat
Bildschirmfoto der archivierten Seite ebay.com vom 14. Juni 1997, Internet Archive Wayback Machine
  1. Die grauen Kästchen mit dem gerissenen Symbol waren Bilder. Das Archiv hat den Text aufgehoben, die Grafiken nicht. Sowas passiert bei alten Aufnahmen häufig.
  2. Das kleine e und das grosse B stehen schon so wie heute. Die vier Farben im Logo kamen erst 1999 dazu.
  3. AuctionWeb war der eigentliche Dienst. eBay war anfangs nur der Name der Firma dahinter, die Nutzer sagten AuctionWeb.
  4. Für Käufer kostenlos, in Fettdruck. Verdient wurde von Anfang an nur an den Verkäufern, und dieses Modell hat eBay nie geändert.
  5. Im Copyright steht 1995 bis 1996. Die Seite war im Juni 1997 also mindestens ein halbes Jahr nicht angefasst worden.

Aus Echo Bay wurde eBay

Pierre Omidyar programmierte AuctionWeb im September 1995 an einem Wochenende und hängte es an seine private Website. Seine Beratungsfirma hiess Echo Bay Technology Group, und als er dafür eine Domain wollte, war echobay.com schon vergeben. Also nahm er die Kurzform: ebay.com.

Der erste verkaufte Gegenstand ist inzwischen eine der bekanntesten Anekdoten der Netzgeschichte. Es war ein defekter Laserpointer, er ging für 14,83 Dollar weg. Omidyar schrieb dem Käufer, ob dem klar sei, dass das Ding kaputt ist. Die Antwort: Ja, er sammle defekte Laserpointer.

Warum die Seite so klein sein durfte

Diese Startseite musste nichts erklären und niemanden überzeugen. Wer 1997 hier landete, wusste bereits, was ihn erwartet, weil ihn jemand hergeschickt hatte. Der Marktplatz wuchs über Mundpropaganda in Sammlerkreisen. Briefmarken, Münzen, Puppen, Comics, und ja, defekte Laserpointer.

Genau das ist der Unterschied zu den Portalen der Zeit. Yahoo und Lycos kämpften um Laufkundschaft und stopften ihre Startseiten voll. eBay hatte kein Laufpublikum, sondern eine Gemeinde. Die kam von selbst.

Kostenlos für Käufer, in Fettdruck

Der einzige hervorgehobene Teil des ganzen Textes ist das Wort "free". Für Käufer war die Nutzung kostenlos, bezahlt haben immer die Verkäufer, über eine Einstellgebühr und eine Provision auf den Verkaufspreis.

Dieses Modell hat eBay nie aufgegeben, und es hat den Dienst durch die Dotcom-Krise getragen. Während ringsherum Firmen mit Werbebannern und Gratisangeboten ihr Kapital verbrannten, verdiente eBay an jeder einzelnen Auktion mit. eBay war eines der wenigen Internetunternehmen, das schon vor dem Börsengang Gewinn machte.

Ein Copyright, das stehen geblieben ist

Unten steht "Copyright © 1995-1996". Aufgenommen wurde die Seite im Juni 1997. Diese Startseite war also seit mindestens einem halben Jahr nicht mehr angefasst worden, während dahinter der Betrieb brummte.

Das ist typisch für die Zeit und heute kaum vorstellbar. Eine Website war ein Ding, das man einmal baute. Dass eine Startseite laufend gepflegt wird, weil sie Verkaufsfläche ist, kam erst später.

Was danach passierte

1997 wurde AuctionWeb offiziell in eBay umbenannt. Im März 1998 kam Meg Whitman als Geschäftsführerin, im September 1998 ging die Firma an die Börse. Der Ausgabepreis lag bei 18 Dollar, am ersten Tag schloss die Aktie bei über 47.

In Deutschland lief die Sache anders. Hier startete 1999 der Berliner Dienst Alando, gegründet von den Brüdern Samwer und drei Mitstreitern. Nach hundert Tagen kaufte eBay ihn für rund 43 Millionen Dollar und machte daraus ebay.de.

Wie sich der andere grosse Handelsplatz der Zeit im selben Jahr präsentierte, zeigt das Fundstück zu Amazon 1999. Der Unterschied könnte grösser kaum sein.

Quellen