Elf Rassen vom Dackel bis zum Pferd, bis zu zehn Farben, dazu Hut, Schleife oder Schuhe. Such dir dein Tier aus, dann tanzen 208 davon. Diesmal mit Beat statt Klimperei.
1997 stellte eine Studentin in Kanada Reihen tanzender Nager ins Netz, und daraus wurde einer der ersten Welterfolge des Internets. Wie es dazu kam, steht im Artikel über den Hamster Dance. Meinen Nachbau mit lauter Dackeln gibt es hier auch, samt der Melodie von damals: der Dackel Dance.
Das Problem an beiden ist dasselbe. Es tanzt immer das Tier, das sich jemand anders ausgesucht hat. Hier nicht. Unten stehen elf Rassen zur Wahl, und die Wand richtet sich danach.
Achtung, Lautstärke prüfen. So wie früher.
Nimm dein eigenes Tier
Die Wand darunter richtet sich danach. Der Link merkt sich deine Wahl, du kannst ihn also so verschicken, wie er dann dasteht.
Gezeichnet sind sie alle von Hand, Bildpunkt für Bildpunkt, auf einer Fläche von 46 mal 30 Punkten. Ein Skript setzt für jedes der vier Einzelbilder dieselbe Figur neu zusammen und bewegt nur, was sich bewegen soll: Ohren, Rute, Federung.
Das ist keine Spitzfindigkeit, sondern der einzige Weg, auf dem eine Animation zusammenpasst. Ein Bildgenerator liefert bei jedem Durchgang ein leicht anderes Tier, und vier leicht verschiedene Tiere hintereinander sehen nicht aus wie Bewegung, sondern wie ein Fehler.
Die Rassen sind nach ihrem Umriss ausgesucht, nicht nach ihrer Beliebtheit. Auf 46 mal 30 Punkten unterscheidet man keine Zuchtlinien, man unterscheidet lang gegen kompakt, Stehohr gegen Schlappohr, Rute hoch gegen Rute hängend. Zwei Rassen, die sich nur im Fell unterscheiden, wären zweimal dasselbe Bild. Deshalb steht neben dem Dackel ein Mops und kein zweiter kurzbeiniger Hund. Und deshalb ist das Pferd dabei: Ein aufgerichteter Hals kommt sonst bei keinem der Tiere vor, man erkennt es also auf den ersten Blick.
Ein paar Sachen habe ich dabei mehrfach falsch gemacht. Die erste Katze war ein Dackel mit Spitzohren, weil ich nur die Ohren geändert hatte und nicht die Proportionen. Der Unterschied steckt in drei Zahlen: Der Rumpf einer Katze ist neunzehn Punkte breit statt sechsundzwanzig, sitzt vier Punkte höher und steht auf längeren Beinen.
Beim Pudel hat es drei Anläufe gebraucht. Erst wurden die Puschel zu einer Wolke aus Kreisen, dann saß die Rute so hoch, dass ein Eichhörnchen daraus wurde, dann machte ein eigener Hals ein Lama daraus. Am Ende war die Lösung eine Regel gegen alle anderen Tiere: Beim Pudel bekommt jede Form ihren eigenen Rand, statt zu einem Umriss zu verschmelzen. Bei allen anderen sind solche Nähte Fehler. Beim Pudel sind sie der Punkt, denn die Schur trennt die Puschel voneinander, und genau das soll man sehen.
Und die Kaninchen lagen anfangs waagerecht da und waren damit Meerschweinchen. Ein Kaninchen erkennt man nicht an den Ohren, sondern an der Aufrichtung. Beim Pferd ist es der Hals: waagerecht angesetzt wird daraus ein großer Hund mit Hufen.
Drei Farben gibt es bei keinem dieser Tiere, nämlich Neongrün, Pink und Knallblau. Die stehen für die Sache, denn das hier ist eine Disco und kein Zuchtbuch. Auf der Dackelwand laufen aus demselben Grund seit jeher ein petrolfarbener und ein lilafarbener Hund mit.
Woher der Beat kommt
Er liegt nicht als Datei auf dem Server, sondern entsteht beim Drücken direkt im Browser. Vier Takte auf 124 Schlägen in der Minute, in a-Moll, aus fünf Bestandteilen: eine Bassdrum auf jedem Schlag, ein Klatschen auf zwei und vier, Hi-Hats auf den Zwischenschlägen, ein Bass, der in die Oktave springt, und darüber eine Melodie aus Rechteckwellen.
Jeder dieser Bestandteile ist von Hand ausgerechnet und in einen Speicherbereich geschrieben, Zahl für Zahl. Die Bassdrum zum Beispiel ist ein Sinuston, dessen Tonhöhe innerhalb von Millisekunden von 168 auf 48 Hertz abstürzt. Das Klatschen und die Hi-Hats sind gefiltertes Rauschen. Zusammen sind das keine 100 Zeilen.
Der ganze Loop wird als ein Stück fertig gebaut und dann in Dauerschleife abgespielt. Eine Kette aus einzeln eingeplanten Tönen würde mit der Zeit verrutschen, ein fertiger Puffer läuft lückenlos rund. Töne, deren Ausklang über das Ende hinausreicht, werden vorn wieder eingerechnet, sonst hörte man an der Nahtstelle einen Bruch.
Der Dackel Dance hat aus gutem Grund die schlichtere Melodie behalten. Er ist der Nachbau von 1997, und 1997 klang so etwas nach Klimperkasten. Die Disco hier darf, was damals erst ein paar Jahre später ging.
Was das mit früher zu tun hat
1999 war so eine Seite eine Überraschung. Man bekam eine Adresse geschickt, wartete, bis die Bilder standen, und dann bewegte sich der Bildschirm und machte Geräusche. Das hatte man vorher schlicht nicht erlebt. Solche Seiten lagen meist auf GeoCities, und der Ton kam entweder aus einer MIDI-Datei oder aus dem Winamp daneben.
Heute ist die Überraschung weg, dafür bleibt etwas anderes: Die ganze Seite wiegt weniger als ein einziges Vorschaubild eines beliebigen Videodienstes. Ein paar GIFs zu je vier Kilobyte, etwas HTML, hundert Zeilen für den Ton. Das war der Maßstab, an dem damals gearbeitet wurde.
Ob so etwas noch einmal durch die Büros geht, entscheidet ohnehin nicht der Erbauer. Das war 1997 schon so, und beim deutschen Gegenstück, dem Moorhuhn, war es nicht anders. Die Erfinderin des Hamster Dance hatte anderthalb Jahre lang vier Besucher am Tag.